Die Zigeuner von Weilau II

Heute sind die Zigeuner die, die übrig geblieben sind. Über 700 Jahre nach Gründung des Ortes durch die Sachsen lebt nur noch ein einziger Siebenbürger Sachse in Weilau. Von den evangelischen Zigeunern gibt es noch 140. Sie pflegen die Kirche und die Gräber der Sachsen. In den Gottesdienst kommen sie in Anzügen und gewienerten Schuhen, die vom Matsch der Dorfstraßen rätselhaft unbeschadet bleiben. Inbrünstig singen sie die deutschen Kirchenlieder und sagen das Apostolische Glaubensbekenntnis.

Dass sie sächsische Zigeuner sind, nützt ihnen nach 1989 immerhin soviel: Als Arbeiter finden sie in Deutschland auf einer Obstfarm schnell Arbeit, weil sie gut deutsch sprechen und verlässlich sind. Einige von ihnen stechen sommers Spargel in der Nähe von Dresden. (Als “sächsische” Zigeuner). Während sie ihr Deutsch gepflegt haben, haben sie das Geigen verlernt. Dabei gehörten sie zu den bekanntesten tarafs (Bands), die in ganz Nordrumänien bis in die Moldau und die Ukraine gebucht waren, für Hochzeiten und andere Feste. Erste Geige, Zweite Geige, Kontrabass und Zimbel, damit ging jedes Fest bis in den Morgen. Der letzte Geiger ist vor kurzem gestorben, jetzt kennt keiner die Lieder mehr. Allen, mit denen ich spreche, ist aber wichtiger zu betonen, dass es keine deutschen Schule mehr im Ort gibt, und die Kinder heute die Sprache nicht mehr lernen und damit die Lieder in der Kirche nicht.

Ich finde es sehr schade, keine Geige zu hören. Es ist eine verhaltene Zigeuner-Taufe. Kusturica wäre von Weilau entsetzt. Wo sind wir hingekommen, wenn Zigeuner nicht mehr geigen, dafür aber auf deutsch sagen können „Ich glaube an den Heiligen Geist und an die heilige, christliche Kirche“?

Die sächsischen Zigeuner von Weilau (in der Mitte der Kurator der Ev. Kirche)

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Über Julia Jürgens

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