Die Zigeuner von Weilau III

György/ Georg Moser aus Weilau/ Uila in Siebenbürgen

Der letzte Sachse von Weilau sieht aus wie Kinski, wenn er denn alt und müde geworden wäre. Georg Moser heißt er, aber in seinem Pass steht György. Georg Moser wurde im Krieg geboren, als Siebenbürgen kurzzeitig noch einmal zu Ungarn gehörte. Seines ungarisierten Vornamens wegen wurde Herrn Moser die Ausreise nach Deutschland immer wieder verwehrt. Seine deutschen Wurzeln wollte man ihm nicht abnehmen. Sagt er zumindest. Vielleicht hat er es auch irgendwann nicht mehr richtig versucht.

Er kommt mit den Zigeunern im Dorf auch prächtig zurecht, er spricht sogar Romanes. Haben die Zigeuner in Weilau alle Traditionen von den Sachsen übernommen, möchte ich wissen? Ja, sagt er, alle. Aber sie pflegen trotzdem ihre eigenen Bräuche weiter? Nein, sagt er. Aber eine Zigeunerhochzeit ist doch sicher ganz anders als eine sächsische Hochzeit? Frage ich. Na, sie tanzen ein wenig anders, die Zigeuner, sagt Herr Moser, aber die Musik mit der Geige ist ja wieder wie bei uns. – Die Geige…? Ist Geigenmusik nicht eine Tradition der Roma? Nein, György Moser widerspricht vehement. In Weilau ist die Geige sächsisch, wie auch die Zigeuner sächsisch sind. Weil die Zigeuner auf den Hochzeiten der Sachsen spielten, war es sächsische Musik. Wahrscheinlich hätten die Zigeuner dagegen aber gar nichts einzuwenden.

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