Die Zigeuner von Pretai

in progress: Zigeunerpalast in Pretai/ Bratei

Lieber Leser,

bitte entschuldigen Sie den kurzen Vorspann: Ich bin auf der Suche nach einem ganz besonderen Leser: Sie wohnen in Amerika und Sie lesen fast täglich einen der Einträge auf meinem Blog, oft diesen. Ich sehe nicht, wer Sie sind und woher Sie kommen, nur, dass Sie aus den USA sind und täglich schon seit Jahren diese Seite besuchen. Ich weiß dies nicht genau, vermute aber, dass es immer Sie sind, denn in Amerika habe ich sonst keine Leser.

Mich würde aus Neugier so sehr interessieren, wer Sie sind? Sind Sie aus Rumänien? Gefällt Ihnen der Blog? Warum lesen Sie die Einträge so häufig? Erinnern Sie die Texte an etwas, das Sie kennen? Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Sie sich einmal bei mir melden würden: jujuergens@gmail.com. Mit herzlichen Grüßen Julia Jürgens

Die Zigeuner von Pretai sind Kesselzigeuner. Sie machen Töpfe, Kessel, Schnappsbrennanlagen aus Kupfer. Einen Teil verkaufen sie am Straßenrand. Die Zigeuner von Pretai haben Geld und davon bauen sie sich Häuser, große Häuser, Paläste mit Säulen und Zinnornamenten. Die Häuser sind selten verputzt (so zahlt man keine Steuer) und nie fertig (oft fehlen Fenster oder die Dächer). Die Zigeuner haben auch gar kein Interesse daran. Denn die Häuser sind nicht zum Wohnen gedacht, sondern zum Zeigen. (Zum Wohnen dienen kleine Verschlägen hinter den Häusern, manchmal auch ein Raum im Haus, in dem wohnt dann die ganze Familie, ohne Strom und Wasser. )

Die Häuser zeigen allen, die vorüberfahren, dass die Zigeuner hier reich sind. Das ist ihr Zweck. Dazu müssen sie nicht ganz fertig und auch nicht bewohnbar sein, die Andeutung reicht. Es sind Statusruinen. Es gibt ganze Dörfer in Rumänien, die aus solchen Attrappen bestehen. Die Zigeuner, habe ich gehört, mögen solche großen Zimmer gar nicht, deshalb ziehen sie in die Häuser niemals richtig ein.

Die Zigeuner habens voll kapiert, denke ich. Bei uns stellt man Container auf als Kunst, hier Paläste. Hohle Paläste. Eine bessere Karikatur des Kapitalismus kann es doch gar nicht geben. Häuser, in denen man nicht wohnt. Gut, wir haben auch Autos, Laptops, Uhren, die was hermachen. Aber wir benutzen diese Dinge auch. Die Zigeuner setzen noch eins drauf; sie, die Nirgends-Sesshaften stellen mitten in Rumänien unbehauste Luxusbaracken auf. Danaben Schweineverschläge und flatternde Hühner. Das ist EuRomania. EuroMania. Nichts Europäische Kulturhauptstadt, hier müssen Touristen herkommen, ins Europa-Kultur-Hauptdorf Pretai. Wieso steht das in keinem Reiseführer? Nur rumänische Zeitungen bringen alle paar Wochen einen empörten Artikel über so ein Palast-Dorf. Empört aber nur, weil die Zigeuner den Westen noch Längen krasser umsetzen als sie selber.

Palast von Pretai

Nr. 3

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