Burzenland

Morgen, eher heute, es ist schon Nacht, fahre ich ins Burzenland, ins Țara Bârsei. Burzenland, als erstes denke ich da an stramme deutsche Männer und Blasmusik. Ich habe das Wort, das einen Landstrich im Südosten Siebenbürgens bezeichnet, bisher nie benutzt, weil ich dachte, es sei politisch inkorrekt. Burzenland klingt reaktionär. Burzenland, Pommerland. Burzenland kann aber gefahrlos verwendet werden, Burzen ist der Fluß, Bârsei auf Rumänisch. Es ist die reichste Gegend Siebenbürgens, warum, muss ich noch herausfinden. Es hat auf jeden Fall eine besondere Geschichte.

1211 ließ sich der Deutsche Ritterorden hier nieder, der ungarische König (Siebenbürgen gehörte ja damals zu Ungarn) hatte Siedler herbeigerufen, um Ungarns Ostgrenzen zu schützen, gegen Türken, Kumanen, Tataren und so weiter. Der Deutsche Orden hatte damals gerade den dritten Kreuzzug hinter sich gebracht und kam aus dem Heiligen Land nach Siebenbürgen. Der Orden hatte soeben ein paar Burgen gebaut, da wurde er aber vom König schon wieder aus dem Land geworfen. Nach gerade 14 Jahren. Anscheinend hatten die Kreuzritter einen eigenen Staat errichten wollen. Ich kann mir Geschichte immer schlecht vorstellen. Waren das Ritter in Ritterrüstung? Was für ein Staat sollte das werden? Und wie wirft man Kreuzritter, die Jerusalem erobern konnte, aus Ungarn wieder hinaus? Haben sie eine Abfindung erhalten? Aber wie haben der König und die Ritter miteinander kommuniziert, mit Dolmetschern?

Die Blasmusik gibt es im Burzenland wirklich, dort ist eine der letzten sächsischen Blaskapellen, die generell eine sehr große Bedeutung haben für die Sachsen. Eine Beerdigung ohne Blaskapelle ist so unvorstellbar wie bei uns ein Begräbnis mit Rockmusik (wobei Rockmusik schon kaum mehr weniger historisch klingt als Blaskapelle). Die Burzenländer Blaskapelle jedenfalls: Letztes Jahr starb ihr langjähriger Leiter Ernst Fleps. In seinem Testament hatte er verfügt, dass nach seinem Tod die Kapelle aufzulösen und damit die Tradition der Blasmusik zu begraben sei. Es gab einen großen Skandal.

Nach längerer Überlegung machte die Blaskapelle weiter. Unter einem rumänischen Dirigenten. Schon eine vermessene Idee von Ernst Fleps. Aber auch ritterlich prinzipientreu andererseits. Besser vielleicht ein Heldentod, für eine Tradition jedenfalls, als zweitrangig dahinzudümpeln. Der Deutsche Ritterorden existiert übrigens noch. Er sitzt laut Wikipedia in Wien und ist heute ein schuldenbeladener Priesterorden mit 1000 Mitgliedern.

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