Fritky

Lieber Leser,

bitte entschuldigen Sie den kurzen Vorspann: Ich bin auf der Suche nach einem ganz besonderen Leser: Sie wohnen in Amerika und Sie lesen fast täglich einen der Einträge auf meinem Blog, oft diesen. Ich sehe nicht, wer Sie sind und woher Sie kommen, nur, dass Sie aus den USA sind und täglich schon seit Jahren diese Seite besuchen. Ich weiß dies nicht genau, vermute aber, dass es immer Sie sind, denn in Amerika habe ich sonst keine Leser.

Mich würde aus Neugier so sehr interessieren, wer Sie sind? Sind Sie aus Rumänien? Gefällt Ihnen der Blog? Warum lesen Sie die Einträge so häufig? Erinnern Sie die Texte an etwas, das Sie kennen? Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Sie sich einmal bei mir melden würden: jujuergens@gmail.com. Mit herzlichen Grüßen Julia Jürgens

Man müsste die Dörfer Siebenbürgens einmal durchkämmen nach den Menschen, die aus den verschiedensten Ländern hierhergekommen sind, um hier zu leben und etwas aufzubauen/ zu verändern/ auszusteigen/ alles anders zu machen/ nichts zu machen. Es gibt die, die hier Tourismus machen, ohne soziale Ambitionen und mit (eine deutsche Familie in Michelsberg, ein italienischces Paar in der Nähe von Mediasch, Engländer in Schönberg, Holländer in Reichesdorf, die dort seit 20 Jahren einen Campingplatz haben und die Dorfkneipe und andere Läden gekauft haben und jetzt der größte Arbeitgeber im Ort sind.) Es gibt diesen seltsamen Typen in altmodischem Lodenmantel mit Siegelring, den jeder schonmal getroffen hat, der aus einer adeligen Familie kommen und hier irgendwelche Vorfahren haben will, der seit Monaten von einem Ort zum andern fährt, sich durchschnorrt und völlig unzusammenhängende Sachen erzählt.

Es gibt den ehemaligen ifa-Kulturassistenten, der jetzt einen Weinberg bei Satu Mare besitzt, zwei Deutsche, die einen Kinderbauernhof bei Hermannstadt betreiben, die angebliche Schwester von Jörg Haider, die ein “Dorfarmutsbekämpfungsprojekt” in Probstdorf betreibt und dort den Roma im Dorf zu Handwerker-Berufskursen verhilft, es gibt die ukrainischen Künstler in dem schwindenden Dorf Engenthal, es gibt die Aussteiger überall, Deutsche die meisten, die in heruntergekommenen alten Höfen wohnen, viele Pläne haben, damit beginnen und nach ein paar Jahren aufgeben.

Ich war bei einem Paar zu Gast, das schon seit 10 bzw. seit 5 Jahren hier lebt. Sie sind vor nichts geflohen und haben nicht zu viele Pläne, vielleicht schlagen sie sich deshalb so gut. Er ist Deutscher und ist jahrelang durch die Welt gereist, bevor er hier hängenblieb. Sein Traum war es immer, eine Burg zu haben, und die hat er jetzt. Er ist Burghüter in Apold und hat sich neben der Burg ein Haus renoviert, das wohl dem Traum eines jeden entspricht, der träumt, in Siebenbürgen ein Haus zu haben. (Mit alten, sorgsam restaurierten Möbeln, Eichenbalken an der Decke, riesigem Garten) Seine Frau ist Polin und ihrem Mann zuliebe hierher gekommen. Zusammen haben sie ein kleines Kind, das dem Traum eines jeden entspricht, der davon träumt, ein Kind zu haben.

Das Kind spricht Polnisch mit der Mutter und Deutsch mit dem Vater, die Eltern untereinander Englisch, weil der Vater kein Polnisch und die Mutter kein Deutsch spricht. Rumänisch beherrschen sie auf unterschiedlichen Niveaus. Im Dorf leben hauptsächlich Roma, die meisten arbeitslos, enge Kontakte gibt es nicht. Es ist ein wenig eine Insel oder eine Burg eben, abgeschieden von allem. Zusammen sind sie abgeschieden und dann noch einmal einzeln: Er von seinem deutschen Zuhause, sie von ihrem polnischen, heimisch ist allein das Kind. Auf einer Wanderung, drei Stunden durchs transsilvanische Hügelland, singt es versunken polnische Lieder mit deutschen Einwürfen, im Bahnhofsrestaurant werden “fritky” geordert. Das Kind hat drei Welten zur Auswahl.

Vielleicht ist es für die nächste Generation wirklich normaler, jenseits von Grenzen und Ländern zu leben. Meine, scheint mir, tut sich damit noch schwer. Mit Sprachen und Mentalitäten, mit Reiselust und Heimweh, mit Offenheit und dem Wunsch, doch irgendwo hingehören zu müssen. So unverwurzelt, wie wir sein wollen, sind wir noch nicht, “Heimat” ist aber auch ein vergangenes Wort.

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Über Julia Jürgens

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